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Welche Versicherungen benötigen Selbständige und Gründer?

In Interview erhalten Gründer und Selbständige Tipps, welche Versicherungen Sie benötigen

Interview mit Versicherungsmakler Dennis Stanitzki:

Hallo Dennis, bei Versicherungen für Selbständige kann man ja grob zwischen personenbezogenen und betrieblichen Versicherungen unterscheiden. Was sind denn zunächst aus deiner Sicht die wichtigsten personenbezogenen Versicherungen?

Ja genau, diese Unterscheidung kann man durchaus treffen. Bei den personenbezogenen Versicherungen stehen natürlich die Krankenversicherung sowie die Absicherung der Arbeitskraft beispielsweise über die Berufsunfähigkeitsversicherung im Vordergrund. Wenn man eine eigene Familie hat, kommt zudem noch die Risikolebensversicherung hinzu.

Dann lass uns doch mit der Krankenversicherung beginnen. Hier stellt sich ja insbesondere bei Selbständigen die Frage, ob man in die private Krankenversicherung (PKV) wechseln sollte oder bei seiner jetzigen gesetzlichen Kasse versichert bleibt. Was ist deine Meinung dazu? Kann man hier generelle Aussagen treffen, welche Option besser ist?

Grundsätzlich ist es ja bei allen Versicherungen immer so, dass die persönliche Ist-Situation des Mandanten und die eigene Lebensplanung entscheidend für die Wahl eines Tarifs sind. Das ist bei der Krankenversicherung natürlich auch der Fall. Die PKV hat den großen Vorteil, dass die Höhe des Tarifbeitrags nicht von den Einnahmen abhängt und die Leistungen bei vielen Tarifen besser als die der gesetzlichen Versicherungen sind.

Die gesetzliche Krankenversicherung kann für Selbstständige dann von Vorteil sein, wenn der eigene Partner nicht arbeitet oder man ein oder mehrere Kinder hat...

Und welche Vorteile bietet die gesetzliche Krankenversicherung?

Die gesetzliche Krankenversicherung kann für Selbstständige dann von Vorteil sein, wenn der eigene Partner nicht arbeitet oder man ein oder mehrere Kinder hat, da der Partner und die Kinder in der gesetzlichen Krankenversicherung im Rahmen der kostenlosen Familienversicherung mitversichert sind. Meiner Meinung nach ist es zudem oft in den ersten beiden Jahren der Selbstständigkeit sinnvoll, gesetzlich krankenversichert zu sein, um erst mal in Ruhe zu schauen, wie sich das eigene Unternehmen und die damit verbundene Einnahmesituation entwickeln.
Falls die Einnahmen und der Gewinn stark ansteigen, macht dann oft ein Wechsel in die private Krankenversicherung wiederum Sinn.

Apropos Krankenversicherung wechseln. Ist es grundsätzlich möglich von der privaten wieder zurück in die gesetzliche Krankenversicherung zu wechseln? Viele Privatversicherte haben ja daran Interesse, wenn die Versicherungsbeiträge der PKV im Alter oder durch Familiennachwuchs überproportional ansteigen.

Das ist nicht so einfach. Grundsätzlich ist das nur möglich, wenn man sich wieder im pflichtversicherten Angestelltenverhältnis befindet und auch nur bis zum 55. Lebensjahr. Deshalb sollte man sich auch immer im Vorfeld über die entsprechenden Tarife der PKV-Anbieter genau erkundigen. Grundsätzlich bietet eine PKV viele Vorteile, aber kann natürlich im Einzelfall auch Nachteile beinhalten.

Im Durchschnitt verdient jeder Arbeitnehmer in Deutschland zwischen 1,2 und 1,4 Millionen Euro netto im Arbeitsleben.

Neben der Krankenversicherung hast du auch die Berufsunfähigkeitsversicherung sofort genannt. Warum ist diese deiner Meinung nach für Selbstständige so wichtig?

Die Wichtigkeit einer BU lässt sich gut anhand einiger Zahlenbeispiele verdeutlichen. Mal angenommen jemand verdient im Durchschnitt 2.000€ netto monatlich, dann sind dies bei einer 40 Jährigen Arbeitszeit fast genau 1 Million Euro. Im Durchschnitt verdient jeder Arbeitnehmer in Deutschland sogar zwischen 1,2 und 1,4 Millionen Euro netto im Arbeitsleben. Diese Zahl verdeutlicht den hohen Wert der Arbeitskraft wieder und genau das ist vielen nicht bewusst. Das sollte man natürlich so gut wie nur möglich absichern.

Das sind wirklich hohe Zahlen und dabei liegt die Abschlussquote der Berufsunfähigkeitsversicherung weit unter denen anderer Versicherungen, oder?

Ja, mich wundert in der Tat beispielsweise, wie viel Zeit sich Viele auf der einen Seite für die Versicherung Ihres Autos nehmen und dieses teilweise weit über die gesetzliche Pflicht hinaus versichern. Auf der anderen Seite wird aber vergleichsweise wenig Wert auf die Versicherung der eigenen Arbeitsleistung gelegt, die aber im Vergleich viel wertvoller ist. Wahrscheinlich liegt das daran, dass man sich besonders in jungen Jahren, wenn man fit und dynamisch ist, wenig Sorgen um die eigene Arbeitsfähigkeit macht.

Wie viele Menschen werden denn überhaupt berufsunfähig?

Im Laufe des eigenen Lebens werden ca. ein Drittel der arbeitenden Personen teilweise oder ganz berufsunfähig. Aktuell sind dabei psychische Faktoren die häufigste Ursache, gefolgt von den Zivilisationskrankheiten wie beispielsweise Erkrankungen des Bewegungsapparates, des
Herz-/Kreislaufsystems und mit stark ansteigender Tendenz mittlerweile auch Krebs.

Gibt es noch generelle Tipps zur Berufsunfähigkeitsversicherung?

Grundsätzlich gilt: Je eher man eine BU abschließt, desto besser ist das. Neben dem Versicherungsschutz an sich sind nämlich dann die Beiträge ein Leben lang niedriger, weil man in jüngeren Jahren die zur Versicherung gehörende Gesundheitsprüfung meist problemloser bewältigen kann. Auch sollte man sich unabhängig informieren oder beraten lassen, weil die Kosten und Leistungen je nach Tarif und Anbieter sehr stark variieren können. In vielen Fällen hängt dies auch mit dem tatsächlichen Beruf zusammen.

Das A und O bei den betrieblichen Versicherungen ist die Betriebshaftpflicht...

Kommen wir nun zu den betrieblichen Versicherungen. Welche spielen hier eine besonders große Rolle?

Das A und O bei den betrieblichen Versicherungen ist  die Betriebshaftpflicht, weil ich als Selbstständiger in Ausübung meiner gewerblichen Tätigkeit schnell andere Personen oder Sachen schädigen kann. In vielen Fällen handelt es sich dabei natürlich um Kleinigkeiten, aber wenn eine Sanitärfirma ein Rohr nicht richtig montiert und Wasser austritt, dann ist man schnell bei einem Schaden in Höhe von 20.000 bis 30.000€. Die guten Versicherungsgesellschaften bieten hier übrigens für den Geschäftsinhaber die private Haftpflicht kostenlos mit an.

Je nach Betrieb kann es aber große Unterschiede bei den Kosten einer Betriebshaftpflicht geben, oder?

Ja, richtig. Die Beiträge orientieren sich an dem tatsächlichen Risiko. Ein Dachdeckerbetrieb zahlt natürlich grundsätzlich wesentlich mehr an Versicherungsbeitragen als ein Blumenhändler.

Es gibt ja auch spezielle Vermögensschadenhaftpflichtversicherungen. Für wen sind diese sinnvoll?

Die Vermögensschadenhaftpflichtversicherungen sind bei beratenden Berufen wie zum Beispiel einem Buchhalter, Steuerberater oder auch für mich selbst als freier Versicherungsmakler wichtig, weil durch eine falsche Beratung ein sehr hoher Vermögensschaden beim Kunden bzw. Mandanten entstehen kann.

Wie sieht es mit einer Rechtsschutzversicherung aus. Ist diese deiner Meinung nach zwingend notwendig.

Nein, eine Rechtsschutzversicherung ist meiner Meinung nach kein absolutes Muss, da man sie nicht so oft benötigt und so gut wie alle Betriebshaftpflichtversicherungen eine indirekte Rechtsschutzfunktion bieten. Die Betriebshaftpflichtversicherer prüfen beispielsweise, ob ein Schaden berechtigt ist oder nicht. Zudem ist auch speziell der erweiterte Vertragsrechtsschutz, die man als Selbständiger oft dazu benutzt, eigene Forderungen einzuklagen, sehr teuer.

Und welche betrieblichen Versicherungen würdest du dann noch empfehlen?

Wenn ich zum Beispiel eine wertvolle Geschäftseinrichtung habe, dann ist eine Geschäftsinhaltsversicherung in der Regel sehr wichtig. Das ist eine Art Hausratversicherung für den Betrieb.
Diese sichert die Einrichtung gegen Gefahren wie Feuer, Leitungswasser, Einbruch/Diebstahl, Sturm/Hagel und bei Bedarf auch Dinge wie Hochwasser durch Starkregen, Cyberkriminalität und vieles mehr ab.

Gibt es sonst noch Tipps und Tricks, die Du Selbständigen und Gründern geben kannst.

Grundsätzlich sollte jeder Tarif wie bereits erwähnt immer auf die aktuelle Situation und die Lebensplanung des Mandanten abgestimmt sein. Darüber hinaus kann es auch bei den Pflichtversicherungen sinnvoll sein, noch Zusatzleistungen in Anspruch zu nehmen. Ein Fotograf, der sein Equipment häufiger Mal im Auto lagert, sollte sich z. Bsp. über den sog. Baustein „KFZ-Inhalt“ als Ergänzung seiner Inhaltsversicherung Gedanken machen. Die richtigen Versicherungen können im Ernstfall sehr viel Zeit und Ärger sparen, deshalb sollten sich Selbstständige und Existenzgründer ruhig etwas mehr Zeit für dieses Thema nehmen, auch wenn es in der Regel nicht das Lieblingsthema vieler Menschen ist.

Vielen Dank für das Gespräch!

Gerne.

Über
Dennis Stanitzki

Dennis Stanitzki ist unabhängiger Versicherungsmakler aus Dortmund und Inhaber der Agentur DS Finanz- und Versicherungsmakler.
Er berät seit über 10 Jahren Mandanten unabhängig bei ihren Fragen rund ums Thema Versicherungen – sowohl Privat- als auch Firmenkunden.

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Dennis Stanitzki

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Interview mit
Dennis Stanitzki

Dennis Stanitzki ist unabhängiger Versicherungsmakler aus Dortmund und Inhaber der Agentur DS Finanz- und Versicherungsmakler.
Er berät seit über 10 Jahren Mandanten unabhängig bei ihren Fragen rund ums Thema Versicherungen – sowohl Privat- als auch Firmenkunden.

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